Gwendolyn 1966 / 1992
Niki de Saint Phalle
7’07 · CH-Dialekt/DE · de/en · S2/E6 · 2026
Mit ungewohnten Proportionen und augenfälliger Buntheit zieht Gwendolyn, die beeindruckende Frauenfigur im Park vor dem Museum Tinguely, den Blick von Anna Rossinelli auf sich. Über die unverminderte Anziehungskraft der Kunst von Niki de Saint Phalle unterhalten sich die Musikerin und die Kuratorin Sandra Beate Reimann.
Gwendolyn
Wie alle Nanas von Niki de Saint Phalle ist auch «Gwendolyn» eine lebensbejahende, kraftvolle Darstellung des weiblichen Körpers. Entstanden ist sie 1992 als Auftrag von Paul Sacher für das der Roche zugehörige Institut für Immunologie, wo sie bis zu dessen Schliessung 2001 stand. Sie geht zurück auf eine Gwendolyn-Figur, die ins Jahr 1966 datiert. Dabei orientiert sich das aus glasfaserverstärktem Kunststoff geschaffene Werk äusserst frei und eigenwillig an Körperproportionen und Anatomie. Ebenso charakteristisch fällt die ausdrucksstarke Bemalung aus: Fern jeglicher anatomischen Nachbildung zeigt sie einen grossen Farben- und Formenreichtum, der wesentlich zur Einzigartigkeit von «Gwendolyn» beiträgt.
Niki de Saint Phalle
Niki de St. Phalle (*1930 Neuilly-sur-Seine bei Paris – 2002 San Diego) erlangte Anfang der 1960er-Jahre Bekanntheit mit Schiessbildern, für die sie mit einem Gewehr auf farbgefüllte Behälter schoss oder von anderen schiessen liess. Infolgedessen wurde sie als einzige Frau Mitglied der Pariser Nouveaux Réalistes. Ab 1965 entstanden die «Nanas», Frauenfiguren aus glasfaserverstärktem Kunststoff mit runden, imposanten und überdimensionierten Proportionen von mitunter riesenhafter Grösse, bemalt in zumeist ungemischten, lebhaften Farben. Darunter ist die liegende Monumentalplastik «Hon» die bekannteste Figur. Saint Phalle errichtete sie 1966 zusammen mit Jean Tinguely und Per Olof Ultvedt für das Moderna Museet in Stockholm. Mit einer Bar und einem Kino als Innenleben konnte sie zwischen den Beinen betreten werden. 1971 heiratete sie Tinguely, mit dem sie weitere Arbeiten realisierte, darunter 1982/83 den «Stravinsky-Brunnen» beim Centre Georges Pompidou in Paris.
Titel: Gwendolyn
Datierung: 1966
Künstlerin: Niki de Saint Phalle (1930 – 2002)
Technik / Material: Glasfaser verstärkter Kunststoff, Farbe und Metallstruktur
Masse: 247 × 199 × 96 cm
Standort: Solitude Park / Museum Tinguely / Basel
Entstehung: Direktauftrag für den Aussenraum des Institut für Immunologie Basel
Sammlung: F. Hoffmann-La Roche AG
Weiterführende Links
Niki de Saint Phalle im SIKART Lexikon
Basels 1. Internationale Kunstmesse im Basler Stadtbuch