Fasnachtsbrunnen 1977

Jean Tinguely

7’44 · CH-Dialekt/DE · de/en · S2/E4 · 2026

Das spielerische Vergnügen, das der Künstler beim Aushecken des «Fasnachtsbrunnens» hatte, springt noch heute auf alle über, die das Werk mit Figuren wie «Spritzer», «Suuser» oder «Schuufler» vor dem Theater erspähen. Letizia Elia, Direktorin von Basel Tourismus, erfreut sich immer wieder aufs Neue an all den neckischen Details der bewegten Brunnenanlage, die sie schon seit jungen Jahren begeistert. 

Kunstwerk

Fasnachtsbrunnen

Der Fasnachtsbrunnen entstand 1975 – 77 als Jubiläumsgeschenk an die Stadt Basel, und zwar von der MIGROS-Genossenschaft zu deren 50-jährigem Bestehen. Das Brunnenbecken liegt genau dort, wo die Bühne des alten Stadttheaters war, das 1975 gesprengt wurde. Es misst 16 auf 19 m und ist vollständig schwarz ausgemalt. Die Brunnenanlage gehört zu den grössten Arbeiten Jean Tinguelys und zeigt unverkennbare Merkmale seines Schaffens: Kinetische, grazil-raffinierte Figuren und mechanische Konstruktionen, vorwiegend aus wiederverwendetem, schwarz bemaltem Eisen. Neun Figuren wurden 1977 installiert, davon stellt der Theaterkopf eine Nachbildung eines Dachzinnenmotivs des gesprengten Stadttheaters dar. Der Querpfyffer wiederum kam 1983 als zehnte Figur dazu. Nicht nur das Wasser bewegt sich bei diesem Brunnen, ebenso die motorisierten, charakterstarken Figuren: Sie lassen unser Auge amüsiert von Figur zu Figur, von einer Wasserfontaine zur nächsten springen.

Künstler

Jean Tinguely

Jean Tinguely (*1925 Fribourg – 1991 Neyruz bei Fribourg) kam in seinem Geburtsjahr nach Basel, wo er bis 1952 lebte, um sich dann mit der Künstlerin Eva Aeppli in Paris niederzulassen. Im Kreis der Nouveaux Réalistes lernte er seine zweite Frau Niki de Saint Phalle kennen; sie heirateten 1971. Mit ihr wie auch mit vielen anderen Künstlern realisierte er zahlreiche gemeinsame Werke, Aktionen und Happenings.  

Sein Interesse galt der beweglichen Kunst, zunächst in mechanischer, später in motorisierter Form, für die jegliche Art von Alteisen, Schrott, Eisendraht, defekte und ausgediente Objekte zum Einsatz kamen. Ab 1969 pendelte er zwischen seinen beiden Wohnorten bei Paris und in Neyruz im Kanton Fribourg. Das führte auch wieder zur Intensivierung seiner Kontakte in Basel und zur Mitwirkung an der Basler Fasnacht, zu der er aufsehenerregende Kostüme und Requisiten entwarf und mitunter spektakuläre Aktionen initiierte.

Details

Titel: Fasnachtsbrunnen
Datierung: 1977
Künstler: Jean Tinguely (1925 – 1991)
Technik / Material: Stein, Metall, Gussasphalt
Masse: 1600 × 1900 cm
Standort: Theaterplatz / Klostergasse / Basel
Entstehung: Geschenk der Genossenschaft Migros zu ihrem 50 Jährigen Jubiläum an Basel-Stadt
Sammlung: Eigentum Basel-Stadt

Weiterführende Links

Jean Tinguely im SIKART Lexikon

Jean Tinguely 1925-1991: Jeannot lebt!!! im Basler Stadtbuch

Als das Basler Theater gesprengt wurde – Artikel in der bz von Peter Bollag

Das wichtigste Rädchen des Tinguely-Brunnens ist dieser Mann – Artikel in der bz von Martina Rutschmann

Johann Jakob Stehelin der Jüngere und sein “Kulturzentrum” – Artikel in der Zeitschrift Das Werk: Architektur und Kunst